Urlaub im Kamptal

Gerüche sind unweigerlich mit unserem Dasein verbunden. Ob sie uns zu einer gewissen Situation, einem Menschen oder zu einem lang vergessenen Gefühl führen, ein kurzer Moment reicht und oftmals versetzt es einen ruck zuck in die Vergangenheit. So geschehen als ich für eine Reportage über die Falknerei in das kleine verträumte Örtchen Rosenburg im Waldviertel fahren durfte. Bereits als Kind verbrachte ich gemeinsam mit meinen Eltern viele Sommer im „Landgasthof Mann“, wo wir uns nicht nur durch die oftmaligen Besuche mit den Besitzern anfreundeten, sondern ich im zarten Alter von zehn Jahren auch meine erste große „Liebe“ fand. Rundherum nur positive und wunderschöne Erinnerungen an eine Zeit voller Liebe, Geborgenheit und Gastfreundschaft.

Und exakt dieses Wohlwollen ereilte mich als ich mit meinem Rucksack und natürlich meinem Hund Enzo die ersten Schritte in den Landgasthof setzte. Obwohl einiges renoviert oder ausgetauscht wurde, der Geruch des Hauses war unverändert und führte mich sofort zurück in jene unbeschwerte Zeit. Doris Mann eilte mir entgegen, begrüßte mich aufs herzlichste und umarmte mich – es fühlte sich an wie „nach Hause kommen“. Und genau diese Gastfreundschaft und ausgestrahlte Liebe sind es, welche dieses Traditionshaus mittlerweile seit mehr als 80 Jahren ausmachen.

Kurze Chronik

Begonnen hat alles im Jahre 1931 als Josef Mann gemeinsam mit seiner Gattin Maria, das damalige Cafe Wieser kauft und in einen Landgasthof verwandelt. Über die Jahre wurde auf Grund des großen Andrangs (frühere Sommerfrische, Wandertourismus, Falknereibegeisterte) nicht nur umgebaut und renoviert, es wurden auch Nachbarhäuser gekauft um das Anwesen zu vergrößern. Mittlerweile ist bereits die fünfte Generation, Philipp Mann (der Sohn der jetzigen Inhaberin) mit seiner Frau in den Betrieb involviert. Mit Herz und Seele kümmern sie sich gemeinsam um Wandergäste aber natürlich auch um Firmenkunden, welche allerlei Seminare oder Workshops im neu renovierten Saal abhalten.

Ausflüge aller Art

Doch warum gerade Rosenburg? Was macht dieses kleine Dörfchen für Urlauber so interessant?

Ganz einfache Antwort: Das am Berg über alles herabschauende Schloss Rosenburg ist, durch sein völlig intaktes Auftreten, nicht nur für Geschichtsliebhaber ein Augenschmaus, sondern bietet durch seine täglichen Greifvogelvorführungen für alle Altersgruppen Spaß und Spannung. Falknerei – eine Leidenschaft, die kaum jemanden wirklich kalt lässt. Große und kleine Raubvögel fliegen geführt von Falkner zu Falkner, fangen Beuteattrappen und schweben direkt durch die Zuseher. Ein Adrenalinkick der besonderen Art!

Doch das Schloss ist mit Garantie nicht der einzige Anziehungspunkt des kleinen freundlichen Dörfchens. Egal in welche Richtung sich ein Besucher wendet, überall werden gelbe Tafeln sichtbar, die auf unzählige Wanderwege verweisen. Für jeden Schwierigkeitsgrad etwas dabei. Ob einfach nur den heimischen Fluss, Taffa, entlang für eine, oder die umliegenden Wälder erkunden für fünf Stunden – alles ist zu finden. Enzo war natürlich hellauf begeistert und hat jedes Fleckchen Erde zweimal umgedreht. Einfach toll! Ein kleiner Wehrmutstropfen ist jedoch zu finden: „Obwohl Gemeinde und Verschönerungsverein alle Monate die Wegweiser neu anbringen, gibt es immer wieder Touristen welche der Ansicht sind, dass solche „Taferl“ sehr gut ins Eigenheim passen würden und nehmen jene einfach mit. Für die nächsten Wanderer natürlich nicht so lustig“, so Doris Mann. Somit hier ein kleiner Appell meinerseits: Bitte lasst diese Weiser stehen, es gibt Menschen so wie mich, die gänzlich ohne Orientierungssinn auf die Welt gekommen sind, und sich dann fürchterlich verlaufen. Aus fünf Stunden werden dann plötzlich sieben. Danke!

Zum Abschluss möchte ich jedem der gerne wandert und die Natur liebt, (auch als Ausgangspunkt für allerlei anderweitige Ausflüge durchs schöne Waldviertel) das kleine Örtchen Rosenburg und den darin beheimateten Landgasthof Mann ans Herz legen. Schreitet auf meinen beschilderten Pfaden und ich verspreche, ihr werdet euch mitten im Urlaub, an einem fremden Ort, schon nach kurzer Zeit ganz wie zu Hause fühlen!  

Autor: lreisen

Freierufliche Journalistin, Redaktionsleiterin, Texterin, Autorin. Mein Erfahrungsschatz entwickelte sich im Rahmen meiner Tätigkeiten bei diversen Magazinen und Zeitschriften.

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