Wie sauniert man richtig?

 „Quality-Time“ – ein Wort mit großem Gewicht, welches sich besonders in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut. Entspannen, die Seele baumeln lassen, dem Alltag entfliehen und Zeit für sich selbst finden. Für eine immer größer werdende Bevölkerungszahl verbinden sich diese Phrasen automatisch mit den Wörtern „Wellness“ und der damit einhergehenden „Sauna“ beziehungsweise dem „Aufguss“.

Kurz zusammengefasst für Neulinge: eine Sauna ist ein geschlossener Raum, welcher durch die Erhitzung von Steinen eine gewünschte Temperatur entwickelt. Unbekleidet, nur mit einem Handtuch oder einem extra dafür angefertigten Saunakilt, wird jener für ungefähr 10 Minuten betreten um sich dort „auszuschwitzen“.

Bei regelmäßigen Besuchen hat dies nicht nur einen großen Erholungsfaktor, sondern trägt zur Stärkung des Immunsystems bei, regt den Stoffwechsel an (wodurch Schlacken schneller aus dem Körper transportiert werden), lässt die Haut jünger und straffer erscheinen und verringert den Alterungsprozess der Zellen. Um diese positiven Aspekte vollends zur Entfaltung zu bringen, sind jedoch einige wichtige Regeln zu beachten:

Gesundheitszustand: Jemand der noch nie in einer Sauna war, sollte sich vorweg von einem Arzt durchchecken lassen. Das Wechselspiel zwischen heißen und kalten Temperaturen kann das Herz-, Kreislaufsystem stark beanspruchen und somit zu Kreislaufproblemen führen. Auch Menschen mit Atemwegsbeschwerden sollten sich von einem Saunabesuch distanzieren.

Hygiene: In einer Sauna befinden sich im Normalfall sehr viele unterschiedliche Menschen, welche während ihres Alltags unzähligen Bakterien und Keimen ausgesetzt sind. Jene möchten natürlich nicht an andere weitergegeben werden, beziehungsweise möchte man selbst damit nicht konfrontiert werden. Somit ist es vor einem Saunabesuch besonders wichtig sich ausreichend zu duschen.

Abtrocknen: Um einen optimalen Saunagenuss zu ermöglichen muss sich nach der Dusche ordentlich abgetrocknet werden um zu vermeiden, dass der Wasserfilm auf der Haut, die Atmung jener verhindert. An dieser Stelle sei auch gleich erwähnt, dass Deodorants oder andere Kosmetika ebenfalls vermieden werden sollten.

Gewöhnung: Beim ersten Saunagang empfiehlt es sich den Körper langsam auf die ungewohnten Temperaturen heran zu gewöhnen. Besonders Neulinge sollten zunächst auf den unteren Bänken Platz nehmen. Hier ist die Luft noch etwas kühler und bietet optimale Anfangserwärmung.

Essen: Besonders wichtig zur Vermeidung eines Kreislaufzusammenbruchs ist das vorhergehende Essen. Es sollte nicht zu fettig und auch nicht zu üppig ausfallen, damit der Magen nicht belastet wird.

Handtuch: Unbedingt erforderlich ist, wie zu Beginn bereits erwähnt, ein großes Badetuch oder einen Saunakilt zu verwenden. Damit wird verhindert dass sich das Holz mit Schweiß ansaugt. Hygienisch ein absolutes No-Go!

Ruhe: Um sich auch wirklich der Tiefenentspannung hingeben zu können, verlangt es nach Stille. Ein ruhiges und angenehmes Miteinander steht hier im Vordergrund und wird von vielen Besuchern auch eingefordert. Somit sollte man sich wirklich leise verhalten und Gespräche nach außerhalb verlegen.

Gesundheit: Um das ganze Potential des Saunagangs auszunutzen, sollte der Besucher erst nach Beendigung des Vorgangs die Kabine verlassen. Doch die Gesundheit geht immer vor! Sollten unwohle Gefühle aufsteigen wie Übelkeit oder Schwindel, ist es natürlich erlaubt und dringend nötig den Gang sofort abzubrechen.

Während des Aufgusses: sollte die Sauna nicht verlassen werden, da durch das Öffnen der Tür die Temperatur rapide abgekühlt wird und so der Aufguss gänzlich ruiniert ist. Ausnahme ist natürlich wiederum ein labiler Gesundheitszustand oder starkes Unwohlsein. Eines nur vorweg – unbedingt Selbstreflexion betreiben um anderen Saunabesuchern die Freude nicht zu verderben. Ist der Aufguss, besonders für Neulinge, noch zu viel, einfach davor die Kabine verlassen. So verhindert man unnötige Störungen der anderen Gäste.

Abkühlen: Ist besonders wichtig um den Organismus wieder zur Ruhe zu bringen. Dies geschieht im Normalfall an der frischen Luft oder anschließend im kalten Tauchbecken – unbedingt vorher duschen! Effekt: die Poren schließen sich wieder und somit ist man weniger anfällig für Erkältungen.

Nachschwitzen: oder den Körper gänzlich zur Ruhe kommen zu lassen. Hierfür begeben sich sehr viele Saunagäste in die dafür vorgesehenen Ruhebereiche. Komfortable Liegen oder auch Massagestühle sind in öffentlichen Wellnessoasen ein fixer Bestandteil der Einrichtung. Um seinen Körper die Anstrengungen nachspüren zu lassen ist es förderlich ungefähr 20 Minuten Stille zu bewahren und gegebenenfalls sogar ein Fußbad zu nehmen.

Trinken: Der Körper verliert während eines Saunagangs nicht nur die Anspannung des Alltags, sondern auch sehr viel Flüssigkeit welche danach unbedingt wieder aufgefüllt werden muss. Empfohlen werden hier besonders gespritzte Fruchtsäfte, ungezuckerte Tees oder Wasser. Damit wird auch die Aufnahme von zu vielen Kalorien verhindert. Um seinen Kreislauf zu schonen sollte auch auf Alkohol verzichtet werden. Allzu oft wird vom „Saunabier“ gesprochen, welches oftmals als Elektrolytgetränk bezeichnet wird. Doch: leider stimmt dies so nicht ganz. Der Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit, somit wird der Haushalt damit nicht wieder aufgefüllt und die vielen positiven Eigenschaften eines Saunagangs werden damit wiederum zunichte gemacht. Sollte man jedoch unbedingt einen Gerstensaft zu sich nehmen wollen – am besten zum Alkoholfreien greifen. Auch von übermäßigem Kaffeekonsum wird abgeraten, da jener den Kreislauf zusätzlicher Belastung aussetzen könnte.

Mit all diesem Wissen gewappnet, kann der erste Saunagang gestartet werden. Sieben Schritte für einen richtigen Aufguss:

  1. Anfänglich Tür öffnen um frische Luft in die Kabine zu lassen. Erfahrene Saunameister „wacheln“ jene auch mit einem Handtuch in den Raum hinein.
  2. Tür schließen, einige Tropfen Duftessenz in den Kübel mit Wasser und ordentlich umrühren.
  3. Wirklich langsam! Wasser mit der Kelle auf den Saunasteinen verteilen – Achtung: nur den Schöpfer über die Steine halten nicht die Hand. Der entstehende Wasserdampf über jenen kann unter Umständen zu Verbrennungen führen. Wenn das Wasser verdampft, erhöht sich kurzzeitig die Luftfeuchtigkeit im Raum.
  4. Mit einem Handtuch den Dampf mittels propellerartigen Bewegungen verwirbeln.
  5. Pausieren und dann wiederholen.
  6. Im Normalfall wird dieser Vorgang drei Mal wiederholt und den Gästen danach ungefähr zwei Minuten „Nachschwitzzeit“ gegeben.
  7. Danach wird die Sauna verlassen, geduscht und in einem kalten Becken abgekühlt.

Doch was geschieht wirklich während eines Aufgusses? Wird das Thermometer näher betrachtet, erkennt auch das nicht geschulte Auge, dass die Raumtemperatur nicht gravierend ansteigt. Subjektiv wird dies jedoch auf Grund des Dampfes anders gesehen. Normalerweise wird die Haut durch das Schwitzen gekühlt, doch wenn der heiße Dampf mittels eines Handtuchs herumgewirbelt wird, trifft jener direkt auf die Haut und verhindert den kühlenden Effekt. Es wirkt nun heißer, obwohl die Raumtemperatur nicht ansteigt, kann oftmals sogar als angenehmes brennen auf der Haut wahrgenommen werden. Genau darum ist der Aufguss auch so beliebt! Obwohl jener, bewiesener Maßen, keine zusätzlich gesundheitlichen Auswirkungen auf das Befinden, ausübt, schwören fast alle Saunabesucher auf den Aufguss als krönenden Entspannungseffekt. Besonders beliebt sind sie auch auf Grund der Duftessenzen, welche je nach Note, beruhigend oder anregend wirken können.

Aromatisierter Aufguss: Ätherische Öle wie zum Beispiel Fichtennadel, Eukalyptus und Zitrus sind die gängigsten Konzentrate und sind somit der Klassiker unter den Saunadüften.

Salzaufguss: Hier wird der Körper je nach Belieben mit einer Salz-Peeling-Mischung, entweder während oder zwischen den Aufgüssen eingerieben. Am besten sind grobkörnige Mineralsalze geeignet. Jene lösen sich langsamer auf und erhöhen somit den Peeling-Effekt. Alte Haut wird damit abgetragen und die neue sanfte kommt zum Vorschein. Unbedingt beim Auftragen darauf achten, dass die Augen, der Genitalbereich und natürlich Wunden nicht eingerieben werden würfen.

Honigaufguss: Bei dieser Variante wird der Körper vor dem Aufguss mit Honig eingerieben – Haare unbedingt aussparen! Honig strafft und pflegt die Haut, unterstützt den Stoffwechsel und wirkt gegen Hautunreinheiten.

Bieraufguss: Erfreut sich bei Partyrunden besonderer Beliebtheit. Doch ganz wichtig: das Bier wird natürlich nicht direkt auf die heißen Steine gegossen, sondern im Saunakübel mit genügend Wasser vermischt. Der Aufguss riecht dann wie frisch gebackenes Brot.

Birkenaufguss: In der original finnischen Saune kommen ätherische Öle ganz selten zum Einsatz. Der Aufguss wird ausschließlich mit Wasser in welchem vorher Birkenbüschel eingelegt waren, durchgeführt und die Büschel werden währenddessen auf die Haut geschlagen um die Blutzirkulation anzuregen.

Und zum krönenden Abschluss, hier noch eine kurze Aufzählung der verschiedenen Saunaarten:

Finnische Sauna: Diese Sauna besteht vollkommen aus Holz und hat im Zentrum einen Steinofen, welcher für Aufgüsse zur Verfügung steht. Jene kann bis zu 100 Grad aufweisen und eine Luftfeuchtigkeit von 10 bis 30 Prozent erhalten.

Biosauna: Ist die Light-Variante zur klassischen Sauna. Hier wird die Hitze, meist nur um die 50 Grad, von einer Infrarot-Strahlung erzeugt. Besonders gut geeignet um sich auf die folgenden Strapazen der finnischen Sauna zu gewöhnen.

Erdsauna: Ist eine in den Boden eingelassene Wanne, welche von Steinen umrahmt ist und als Fundament dient. Daran wird eine Blockhütte gebaut in welcher ein Ofen platziert wird der durchgehend beheizt wird. Jene bekommt eine Hitze bis zu 130 Grad.

Banja: Ist die russische Variante und koppelt die Sauna mit einem Waschbereich. Zusätzlich werden hier Birkenzweige gereicht und hauptsächlich Bieraufgüsse vorgenommen. Bis zu 70 Grad.

Dampfbad: Die hohe Luftfeuchtigkeit wird durch einen Dampfkessel in der Mitte des Raumes erzeugt. Durch geringere Temperaturen gekoppelt mit der Feuchtigkeit öffnen sich die Poren und erleichtern somit die Entschlackung. Auch Schleimhäute werden dadurch optimal befeuchtet – optimal bei Problemen mit der Blase.

Caladarium: Kommt von den Römern. Hier werden zum Dampf noch ätherische Öle hinzugefügt. Sehr kreislaufschonend und entspannend für die Muskulatur.

Tepidarium: Erreicht nur eine Temperatur von maximal 40 Grad und ist somit perfekt für Menschen mit Kreislaufproblemen. Zusätzlich ist es durch die geringe Luftfeuchtigkeit – hier werden auch keine Aufgüsse abgehalten – durchblutungsfördernd und erkältungsvorbeugend.

Hamam: Ist die typische türkische Sauna. Es besteht aus mehreren Räumen, die sich durch Temperaturunterschiede voneinander abgrenzen. Die Saunierenden binden sich ein Leinentuch um die Hüfte. Der erste Raum hat eine Temperatur von 50°C, der zweite Raum – ein Ruheraum – weist 40°C auf, im dritten Raum gibt es Massagemöglichkeiten und im vierten Raum Kalt-Warm-Aufgüsse.

Mit all diesen Informationen versorgt, steht nun dem richtigen Saunieren nichts mehr im Wege. 😉 Ich wünsche euch noch einen grandiosen Winter!

Autor: lreisen

Freierufliche Journalistin, Redaktionsleiterin, Texterin, Autorin. Mein Erfahrungsschatz entwickelte sich im Rahmen meiner Tätigkeiten bei diversen Magazinen und Zeitschriften.

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